Neufahrzeug: GW-L2 für die Löschgruppe Heide

 

Einsatz als leistungsstärkste Wasserförderkomponente im Oberbergischen Kreis

Ende März reiste eine Abordnung der Löschgruppe Heide (Feuerwehr Waldbröl) zur Firma Albert Ziegler GmbH in Rendsburg. Dort erwartete sie der durch die Stadtverwaltung georderte und nun fertiggestellte „Gerätewagen Logistik 2“ (GW-L2) auf einem Fahrgestell der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH.

Der MAN TGM 14.320 verfügt u. a. über einen 320 PS starken Motor, einen Allradantrieb, ein Automatik-Wandlergetriebe, eine serienmäßige MAN-Doppelkabine mit insgesamt sechs Sitzplätzen, zwei Geräteräume, einen Lichtmast sowie eine Ladefläche mit Plane und Spriegeln. Diese bietet Platz für insgesamt sechs Rollcontainer, eine Schleifkorbtrage und Sauglängen. Sie ist über eine teilbare 1500kg-Ladebordwand be- und entladbar.

Aufgrund der Offroad-Single-Bereifung (395/85R20), Allrad, drei Sperren und Gelände-Untersetzung ist der Neuwagen bestens für das Gelände des bergischen Landes geeignet. Eine Besonderheit des Fahrzeuges ist der kurze Radstand von 3.900 mm in Verbindung mit einer kurzen Ladefläche von 2.800 mm, was einen kleinen Wendekreis ergibt, um in engen Ortschaften und kurvigen Waldwegen spielend leicht manövrieren zu können – Personal und Material lassen sich so in schwer erreichbare Gebiete transportieren.

Eine zuverlässige Ressource für alle Fälle
Das Spezialgebiet des Fahrzeuges liegt in der Wasserförderung über weite Wegstrecken – insbesondere in Wäldern oder schwer zugänglichem Gelände. Die in vier Rollcontainern geladenen und bereits gekuppelten 2400 m Schlauchleitung können daher während der Fahrt verlegt werden. Ein fest verbauter digitaler Wegstreckenzähler sowie ein Höhenmesser ermöglichen unterwegs eine genaue Berechnung der Förderstrecke mit den entsprechenden Druckverlusten, sodass frühzeitig eine Verstärkerpumpe eingesetzt werden kann.

Aufgrund von Beladung und Besatzung kann das Fahrzeug als eine eigene taktische und geländegängige Einheit auch leichte technische Hilfeleistungseinsätze, z. B. umgestürzte Bäume oder Ölspuren, selbstständig abarbeiten. Mit seiner feuerwehrtechnischen Beladung kann außerdem ein Trupp für den Atemschutzeinsatz ausgestattet und dort eingesetzt werden.

Mit der im Alkoven oberhalb der Geräteräume verlasteten Schleifkorbtrage ist auch der Transport von Patienten auf der Ladefläche im schweren Gelände sowie auf Feld- und Waldwegen möglich. Bei Starkregen und Hochwasser kann der Gerätewagen bis zu einer Wassertiefe von 80 cm eingesetzt werden.

Großer Wert wurde auch auf Beleuchtung gelegt: Mit acht LED-Scheinwerfern am Lichtmast, vier Arbeitsscheinwerfern nach vorne, seitlicher Umfeldbeleuchtung, vier Scheinwerfern am Heck, Spiegelscheinwerfern und diversen Akkugeräten von Peli RALS und Adalit sind die Voraussetzungen für den Einsatz im Dunkeln optimal.

Leistungsstarker Nachfolger für ausgedientes Bundesfahrzeuges
Der neue Gerätewagen ersetzt das mittlerweile eingezogene, dreißig Jahre alte Fahrzeug des Bundes und stellt nicht nur einen Ersatz dar, sondern schließt auch Fähigkeitslücken der Feuerwehr Waldbröl. Der alte Schlauchwagen (SW2000), welcher damals noch als Komponente des erweiterten Katastrophenschutzes vom Bund beschafft wurde, konnte nur in Verbindung mit zwei weiteren Löschfahrzeugen eine Wasserförderung von 800 l/min über 2000 m sicherstellen.

Der neue Gerätewagen ist hier deutlich leistungsgesteigert: Aufgrund seiner beiden tragbaren Feuerwehrpumpen kann das Neufahrzeug entweder in Verbindung mit dem Löschfahrzeug der Löschgruppe Heide 1000 l/min über 2400 m oder 2000 l/min über 1200 m jeweils in Reihenschaltung fördern. Setzt man beide Pumpen parallel ein, wären sogar mehr als 4000 l/min über 600 m möglich. Damit stellt das Fahrzeug mit seiner Mannschaft die leistungsstärkste Wasserförderkomponente im Oberbergischen Kreis dar.

Für die Stadt Waldbröl können außerdem ortsspezifische Mindermengen in der Löschwasserversorgung ergänzt werden. In der Vegetationsbrandbekämpfung stehen die vorgenannten Mengen so nun ebenfalls zur Verfügung.

Umfangreiche Beladung mit praxistauglicher Fahrzeugausstattung
Beschafft wurden insgesamt acht Rollcontainer, wovon vier dem verlegefertigen Verstauen der geladenen Schläuche dienen. Die übrigen Rollcontainer sind mit Zubehörmaterial (z. B. Sauglängen, Stromerzeuger, Lichttechnik, zwei Faltbehältern mit 5.000 und 50.000 Litern Fassungsvermögen als Löschwasserreservoir und Material für Ölschäden) bestückt.

Als weitere Besonderheiten sind ferner die installierte Gegensprechanlage, eine Dachluke sowie mehrere Kamerasysteme zu nennen. In den Geräteräumen befinden sich außerdem mitunter eine der beiden Tragkraftspritzen samt Zubehör, ein Standrohr, Schlauchtragekörbe (u. a. speziell für den Waldbrandeinsatz), ein Rauchschutzvorhang, eine Motorkettensäge, Handwerkzeug, zwei Atemschutzgeräte, Verkehrsleitkegel, Blitzleuchten und mobiles Beleuchtungsgerät. Zwischen Mannschaftskabine und Aufbau sind zudem Equipment zur Straßenreinigung sowie eine Multifunktionsleiter verlastet.

Aufgrund seiner im Vergleich zum alten Schlauchwagen deutlich höheren Nutzlast von fast vier Tonnen und der Ladebordwand steht das Fahrzeug auch vollumfänglich als Logistikfahrzeug für den Bevölkerungsschutz in der Marktstadt zur Verfügung. Hierzu kann die auf den Rollcontainern verlastete feuerwehrtechnische Beladung entladen und auch mit allem anderen, das im Bevölkerungsschutz notwendig ist, beladen werden. Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, den Gerätewagen als Zugmaschine einzusetzen und einen bis zu sechszehn Tonnen schweren Anhänger zu ziehen. Gerade im Katastrophenschutzeinsatz erlauben Plane und Spriegel eine schnelle seitliche Beladung von schweren Gütern mit Gabelstaplern oder Radladern.

Das Einsatzprofil der Feuerwehr Waldbröl konnte den Anforderungen und Zielen des Brandschutzbedarfsplanes so weiter angepasst werden.

Das Fahrzeug konnte am 26. März nach Heide überführt und dort gebührend in Empfang genommen werden. Der Fuhrpark der Löschgruppe Heide konnte neben dem inzwischen begonnenen Neubau des Gerätehauses nunmehr zwischen 2022 und 2026 komplett durch Neufahrzeuge ersetzt werden. Hierzu zählt neben einem MTF auf Basis eines VW Crafter ein LF10 auf MAN-Allrad-Fahrgestell mit 2000 Litern Wasser.